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WM

Englands spätes Erwachen: Bellingham und Kane brechen Panama in der zweiten Halbzeit

🇩🇪

Der Regen peitschte über New York, als Englands Spieler zitternd unter den Flutlichtmasten standen, ihr Atem in der kalten Luft sichtbar. Die Drei Löwen hatten sich eine Stunde lang als zahnlos erwiesen, ihr Spielrhythmus erstickt durch Panamas resolutes Pressing, als Jude Bellingham schließlich die Pattsituation durchbrach. Eine Ecke, ein Kopfball – und die Dämme brachen. Fünf Minuten später köpfte Harry Kane den zweiten Treffer und sicherte damit den 0:2-Sieg, der den Gruppensieg in Gruppe C besiegelte.

Englands erste Stunde gegen Panama war eine Studie der Frustration. Die Drei Löwen dominierten den Ballbesitz, schufen aber wenig Substantielles. Marcus Rashford, einer von fünf Wechseln in der Startelf, kam am nächsten heran, als er in der 45. Minute einen Freistoß knapp am Tor vorbeizog. Panama hingegen absorbierte den Druck und konterte gefährlich, zwang Jordan Pickford zu einem frühen Paradenversuch, als José Luis Rodríguez ihn aus der Distanz testete.

Der Wendepunkt kam in der 57. Minute. Bellingham, in der zweiten Halbzeit eingewechselt, überragte Panamas Abwehr und köpfte aus einer Ecke ein – das Ende von Englands torloser Phase. Zehn Minuten später verdoppelte Kane den Vorsprung, indem er einen Bellingham-Flankenball zum 0:2 vollendete und damit mit elf Turniertoren alleiniger Rekordtorschütze Englands bei Weltmeisterschaften wurde, Linekers bisherige Bestmarke von zehn überholend.

Englands Probleme glichen ihren früheren Auftritten gegen Ghana und Kroatien. Schlampige Pässe, mangelnde Dringlichkeit und die Unfähigkeit, Panamas ungeordnete Formation auszunutzen, ließen Tuchels Team glücklich mit allen drei Punkten davonkommen. Rashfords Einwechslung brachte etwas Leben ins Spiel, doch das letzte Drittel blieb bis zu Bellinghams Eingreifen steril.

Panama, trotz ihrer defensiven Standhaftigkeit, wurde ihr erstes Turniertor in der 90. Minute verwehrt. Jorge Fajardos Kopfball wurde wegen Abseits abgepfiffen – ein harter Schlag für eine Mannschaft, die bereits in ihrem Eröffnungsspiel gegen Ghana einen späten Treffer aberkannt bekommen hatte. Ihre Kampagne endete so, wie sie begonnen hatte: ohne Tor und ohne Punkte, eine Wiederholung ihres 0:9-Debakels aus Russland 2018.

England wartet nun auf ihren Achtelfinalgegner, wobei Kongo, Senegal, Algerien und Österreich mögliche Kandidaten sind. Die Drei Löwen, obwohl Gruppensieger, boten wenig, das darauf hindeutet, dass sie die Intensität aufrechterhalten können, um um den Titel zu kämpfen. Ihr nächster Test wird zeigen, ob dies ein falscher Morgen oder der Beginn von etwas Überzeugenderem war.

Bellinghams Leistung war der herausragende Beitrag. Der Real-Madrid-Mittelfeldspieler, zum Spieler des Spiels gekürt, erzielte nicht nur selbst ein Tor, sondern bereitete auch das entscheidende vor. Sein Einfluss war ausschlaggebend in einem Spiel, das den Glanz vermissen ließ, den man von einem Favoriten bei einer Weltmeisterschaft erwartet.

Kanes Rekordtor war sein elftes bei einer WM und katapultierte ihn an die Spitze vor Lineker. Der Stürmer des FC Bayern hat nun in drei aufeinanderfolgenden Turnieren getroffen und unterstreicht damit seine Stellung als Englands zuverlässigster Schütze in großen Wettbewerben.

Panamas Kampagne war geprägt von verpassten Chancen und defensiven Heldentaten. Amir Murillo, der ehemalige Anderlecht-Verteidiger, dirigierte die Abwehr mit Ruhe, doch die offensichtliche Schwäche seiner Mannschaft im Angriff war frappierend. Am Ende standen null Punkte, null Tore und eine Tordifferenz von minus neun – eine exakte Wiederholung ihres desaströsen Auftritts 2018.

Tuchels Team nimmt zwar die drei Punkte mit, verlässt New York aber mit mehr Fragen als Antworten. Ihr nächster Gegner, wer auch immer es sein wird, wird auf eine Mannschaft treffen, die zwar Qualitätsausschnitte zeigte, aber zu oft die nötige Gnadenlosigkeit vermissen ließ, um Gegner zu bestrafen.

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